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Archiv 1996

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Ausgabe 1 - September --- Kongressreport ---

 

 

 

Bericht vom 3.DEGOF-Kongreß in Gütersloh (22.-23.März 1996)

 

Die Kommissionen der DEGOF wurden zur Pflege der wissenschaftlichen Forschung und Entwicklung der den einzelnen Kommissionen zugeordneten Thematik eingerichtet. Ausdrücklich wurde im Organisationsstatut gewünscht, daß von den Kommissionen unter der Ägide der DEGOF unter anderem Symposien, Workshops u.s.w. über die Spezialgebiete abzuhalten sind. Als Koordinator der Kommissionen ist der Vizepräsident der Gesellschaft, Prof. Dr. Hagena (Bad Oeynhausen) Ansprechpartner für die Kommissionsleiter.

 

Im Rahmen einer Feierstunde wurden Prof. Zollinger (Schweiz) und Prof. Pisani (Italien) zu Ehrenmitgliedern der Deutschen Gesellschaft für Orthopädische Fußchirurgie e.V. ernannt.

 

Die Redaktion wird in der folgenden Ausgabe ausführlich über die Verleihung der Ehrenmitgliedschaft berichten.

 

Das außerordentlich gut besuchte wissenschaftliche Programm hatte die kindlichen Fußdeformitäten zum Thema. Die Vorträge namhafter Referenten und die Vorstellung zum Teil langfristiger Behandlungsergebnisse waren Anlaß zu einer lebhaften Diskussion. Nachfolgend sind die wichtigsten Fakten zusammengefaßt.

 

PES PLANO-VALGUS

 

Der pes plano valgus tritt im Rahmen angeborener Erkrankungen des Bewegungsapparates auf. Dazu gehören das akzessorische os naviculare mit Tibialis posterior-Insuffizienz, die tarsalen Koalitionen, der Talus verticalis und nach PISANI auch eine Dysplasie der coxa pedis . Prädisponierend können sich eine generelle Hypermobilität, Lähmungen oder Fußdeformitäten im Rahmen von Stoffwechselerkrankungen (Diab.mell.), chronischer Polyarthritis, Infektionen oder Traumen auswirken.

 

Neben dem generell abgeflachten Fußlängsgewölbe sind insbesondere das Talonaviculargelenk, seltener das Naviculocuneiformegelenk oder das Metatarsocuneiformegelenk betroffen. Durch die plantare und mediale Verschiebung des Taluskopfes (talare Protrusion) vergrößert sich unter Elongation der ligamentären Verbindungen der Abstand zwischen dem os naviculare und dem sustentaculum tali. Die übrige Fußwurzel und der Vorfuß erlangen so eine abduzierte Position. Dabei unterliegen Vor- und Rückfuß einer gegenläufigen Rotation. Bei Fixation des Talus in der Malleolengaben stellt sich der Calcaneus valgisch ein. Der Vorfuß ist gegenüber dem Rückfuß supinatorisch aufgebogen. Die oft vorhandene Achillessehnenverkürzung kann primär oder sekundär entstanden sein und ihrerseits eine pes plano-valgus abductus-Deformität induzieren. Die im Rahmen der Deformität auftretende Hypermobilität in der Chopart'schen Gelenklinie äußert sich im Endstadium gelegentlich inform der Subluxation im Calcaneocuboidalgelenk.

 

TALUS VERTICALIS

 

Der Talus verticalis ist eine seltene Deformität mit irreponibler Subluxation des Talonavicu- largelenkes und Ausbildung eines konvexen Längsgewölbes. Ätiologisch sind die idiopathischen Formen am häufigsten, gefolgt von den Arthrogryposen und neurologische Grunderkrankungen. Im Rahmen der Röntgengnostik kommt den Streßaufnahmen in Plantarflexion zu Beurteilung des Talonavicular- gelenkes eine große Bedeutung zu.

 

Therapeutisch sind die Reinsertion der tibialis posterior-Sehne am os naviculare, die Achillessehnenverlängerung und ggf. die Ver-längerung der Peronealsehnen und Extensorensehnen indiziert. Diese Weichteileingriffe können mit einer pantalaren Arthrolyse kombiniert werden. In diesen Fällen empfiehlt sich der Cincinetti-Zugang oder die kombinierte dorsomediale und laterale Schnittführung. Eine temporäre Kirschnerdrahtfixation des reponierten Talonaviculargelenkes ist möglich.

 

Der operative Eingriff sollte in einem Alter zwischen dem 4. und 6. Lebensmonat durchgeführt werden.

 

Prognostisch ist bei den idiopathischen Formen ein besseres Ergebnis zu erreichen als bei den arthrogrypotischen oder neuropathischen Fußdeformitäten.

 

KINDLICHER PLATTFUß

 

Bei Versagen konservativer Therapiemaßnahmen stehen verschiedene operative Verfahren zur Wahl. Bei der Operation nach FAGGIANA wird die peronaeus brevis-Sehne auf die Kapsel des Talonaviculargelenkes verlagert. In der Technik nach SCHMIED erfolgt die Umlenkung eines Anteils der tibialis anterior-Sehne über eine Knochenrinne im os naviculare. Als knöcherner Eingriff steht ein von RECAREDO-ALVARES beschriebenes Verfahren zur Verfügung, bei dem zur Vermeidung der Subluxation im Talonaviculargelenk die posteriore Talusfacette an dem korrespondierenden Calcaneusanteil über eine Schraube fixiert wird. Die Verwendung eines resorbierbaren Implantates stellt in diesem Zusammenhang GIANNINI vor. Bei älteren Kindern ist alternativ die additive Calcaneusosteotomie in Höhe des proc.ant. calcanei nach EVANS möglich.

 

Übereinstimmend wird der Zeitpunkt der operativen Intervention jenseits des 6.Lebensjahres gesehen, wobei die Weichteileingriffe favorisiert werden.

 

Beat Hintermann aus der Orthopädischen Klinik der Universität Basel hatte zu den Themen "Rückfußinstabilität und hallux valgus-Chirurgie" etwa 100 Referenten zu Vorträgen eingeladen. Das Thema "Instabilität" wurde in drei Blöcken (Biomechanik, bildgebende Diagnostik, Therapie) von Referenten aus der Schweiz, Frankreich, Österreich und Deutschland umfassend dargestellt. Über verschiedene etablierte Verfahren zur Behandlung der Sprunggelenksinstabilität, wie die Techniken nach Brostroem, Evans oder Watson-Jones wurden zum Teil langfristige Ergebnisse demonstriert.

 

Das Thema "hallux valgus-Chirurgie" wurde von Prof. M.Coughlin (USA) eingeleitet. Beim kindlichen hallux valgus kam er zu dem Schluß, daß der wesentliche Faktor zum Erreichen eines zu-friedenstellenden Ergebnis der distale metatarsale Winkel (DMMA) ist.

 

Prof.Morscher, derzeitiger Präsident der EFORT, betonte in seinem Gastvortrag die zunehmende Bedeutung der Fußchirurgie im Fach Orthopädie.

 

Daniel Frank, Leverkusen

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