D.A.F. Online - Deutsche Assoziation für Fuß und Sprunggelenk D.A.F. Online - Deutsche Assoziation für Fuß und Sprunggelenk
English Version

Archiv 1996

>> zur Archivübersicht>> zum Archiv 1996

Ausgabe 1 - September --- Editorial ---

 

 

 

Liebe Mitglieder, liebe Kolleginnen und Kollegen!

 

Dies ist die erste Ausgabe eines künftig kontinuierlich erscheinenden Mitteilungsblattes unserer Gesellschaft, der DEGOF-NEWS. Mit ihr stellt sich der am 23. März 1996 neu gewählte Vorstand vor. Unseren Mitgliedern und allen fußchirurgisch interessierten Kolleginnen und Kollegen wird hiermit eine Plattform für gesellschaftsinterne Informationen, allgemeine Mitteilungen und Berichte über Kongresse, Tagungen, Buchbesprechungen, Aktivitäten unserer Kommissionen etc. geboten. Wir möchten Ihnen alles fußchirurgisch Interessante und Wissenswerte aktuell nahebringen und verstehen dies als ein aktives Zeichen im Bemühen um mehr Offenheit und eine fundierte Weiterentwicklung unserer Gesellschaftsaufgaben.

 

Die medizinisch-technologische Entwicklung der Nachkriegszeit, der begeisterten Hinwendung einer ganzen Generation von Orthopäden zur Endoprothetik, Implantattechnik und endoskopischen Operation hat in unserem Lande das Interesse an der Fußchirurgie zunächst weit in den Hintergrund treten lassen. Mit dem Boom der Arthroskopie ist mit der Schulter nun auch der Fuß in den letzten Jahren in das Interesse konservativ und operativ tätiger Orthopäden und Chirurgen gerückt. Die Fußchirurgie, das Stiefkind der orthopädischen Chirurgie ? Sollte dies der Fall sein, so ist es verwunderlich, denn Deutschland ist das klassische Land der Fußchirurgie. Mit den Namen wie Brandes, Hohmann, Hackenbroch, Imhäuser und viele andere mehr verbinden wir in der Vergangenheit Glanzzeiten, die Wegweiser für die moderne fußchirurgische Entwicklung sind. Wir wollen daran anknüpfen.

 

Sind nicht die Füße zumindest ebenso essentiell für die Mobilität und Lebensqualität in unserer heutigen Freizeitgesellschaft wie Knie, Hüfte und Schultern ? Wen je der Schuh drückte, weiß darauf die Antwort und das sind mindestens 70% der Bevölkerung. Neben der hervorragend klassisch geführten und modern weiterentwickelten orthopädie-technischen Versorgung galt es vor allem, moderne differenzierte orthopädisch-chirurgische Operationstechniken in die Fußchirurgie einfließen zu lassen. Es konnte nicht sein, daß noch in den achziger Jahren in den meisten orthopädischen Kliniken nur zwei bis drei vorfußchirurgische OP-Techniken zur Anwendung kamen. Darüber hinaus beschränkten sich diese meist auf innere Amputationen mit den fatalen Folgen für Wohlbefinden und Kosmetik. Eine ganzheitliche Betrachtung des Fußes als "filigranes anatomisches und biomechanisches Kunstwerk" ließ zu wünschen übrig.

Wer Fußchirurgie betreibt, muß Orthopäde sein und/oder orthopädisch ganzheitlich denken und bemüht sein, funktionelle Störungen anatomisch-rekonstruktiv wieder herzustellen. Er darf nicht nur Vorfuß-Chirurg, er muß Chirurg des ganzen Fußes sein unter Einbeziehung des Mittel- und Rückfußes und der gesamten unteren Extremität.

 

Nur so wird die Fußchirurgie den wissenschaftlichen und operationstechnischen Standard erhalten, den die Handchirurgie seit den siebziger Jahren genießt. Dies ist unser Ziel !

 

Mitglieder des Arbeitskreises Fußchirurgie der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Traumatologie (DGOT) hatten sich deshalb 1993 in München zu einer Gründungsversammlung zusammengefunden. Der Grundstein für die Deutsche Gesellschaft für Orthopädische Fußchirurgie e.V. (DEGOF) war gelegt, ein Vorstand berufen und der Verein beim Amtsgericht eingetragen. Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädische Fußchirurgie e.V. ist seither die nationale Gesellschaft für Fußchirurgie, die die Interessen aller am und um den Fuß interessierten, konservativ und operativ tätigen Ärzte vertritt und offen ist für alle Ärzte, Firmen und andere, die sich uns als korporatives oder assoziiertes Mitglied anschließen wollen.

 

In den nicht einfachen Anfangsjahren konsolidierte sich unsere Gesellschaft durch eine steigende Mitgliederzahl von nunmehr über 100, durch die Gründung von insgesamt zehn Kommissionen, durch regionale Fortbildungsveranstaltungen, anatomisch-chirurgische Präparations- und Operationskurse und nicht zuletzt mit den alle zwei Jahre stattfindenden DEGOF-Kongressen, zuletzt in Gütersloh mit dem Thema "Kindliche Fußdeformitäten". Daneben findet alternierend das fußchirurgische Winterseminar zusammen mit der Österreichischen Gesellschaft für Fußchirurgie, das 1997 erstmals von uns in Spitzingsee ausgetragen wird, statt.

 

Der neue DEGOF-Vorstand ist um eine Harmonisierung nach innen und außen bemüht.

Es ist unser Anliegen, mit den deutschsprachigen Gesellschaften von Österreich und der Schweiz eng zu kooperieren und gemeinsam unsere Kraft in die europäische Muttergesellschaft der European Federation of National Foot and Ankle Societies (EFFAS), deren Mitglied wir sind, einzubringen. Nur so ist eine dringende Anpassung an den internationalen Vergleich möglich. Eine sichtbare Anerkennung unserer Bemühungen nach außen ist, daß der Präsident der EFFAS, Prof.Malerba aus Mailand, die DEGOF erst kürzlich beauftragt hat, den 3.EFFAS-Kongreß 1998 in Deutschland auszurichten.

 

Nach innen sind noch viele Harmonisierungs-, Integrations- und Aufklärungsarbeiten erforderlich. Es ist verständlich, daß viele an der neuerdings boomenden Fußchirurgie Besitz ergreifen und am großen Kuchen scheibchenweise teilhaben wollen. Lukrative und werbewirksame Massenveranstaltungen sind hierfür beredtes Zeugnis. Wir werden auch dieses Blatt dazu nutzen, sachlich über die Aktivitäten einzelner Gruppierungen zu berichten, um national wie international zur Harmonisierung und Konzentration all dieser Kräfte beizutragen.

 

Nicht zuletzt sind wir eine Sektion der DGOT und werden dies auch bleiben. Im Zuge der Gründung "Allianz Deutscher Orthopäden" durch den Vorstand des Berufsverbandes und der DGOT Anfang diesen Jahres stehen wir mit deren Vorstand und Geschäftsführer im Gespräch über die Einbindung unserer Sektion in diese Allianz. Nach Abschluß dieser Gespräche wird unser Vorstand entscheiden und diese Beschlüsse der nächsten Mitgliederversammlung am 20. Oktober 1996 in Wiesbaden zur Diskussion und Abstimmung vortragen.

 

Im folgenden stellt sich Ihnen der neue Gesamtvorstand mit einem kurzen curriculum vitae vor. Den ausgeschiedenen Vorstandsmitgliedern Frau Prof. Kluge aus Magdeburg, Schriftführerin, und dem 2. Vizepräsidenten Herrn Dr. D. Frank, Leverkusen, danken wir für Ihre tatkräftige Arbeit in den ersten Gründungsjahren. Allen voran aber gilt unser Dank dem Gründungspräsidenten unserer Gesellschaft, Herrn Dr. Ferdini, Neuss, dem unermüdlichen Eiferer, der nur so unser Schiff auf hohe See gebracht hat und das nun von uns beharrlich und mit Volldampf in ruhiger See auf Kurs gehalten werden soll.

 

Hans H. Küster, Gütersloh

>> zum Seitenanfang

>> zur Archivübersicht>> zum Archiv 1996