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Archiv 1998

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Ausgabe 1 - Juli --- Imhäuser-Preis ---

 

 

 

Verleihung des Imhäuser-Preis 1988 an Herrn Dr.med. Manfred Appel

 

In Würdigung der wissenschaftlichen Verdienste um die Fußpathologie und der Erforschung und Therapie von Fußdeformitäten verlieh die D.A.F. Herrn Prof.Dr. Günther Imhäuser 1994 die Ehrenmitgliedschaft ihrer Gesellschaft. Nach seinem Tod im September 1996 schrieb die D.A.F. in Erinnerung an ihr erstes Ehrenmitglied einen nach ihm benannten Wissenschaftspreis für das Jahr 1998 aus. Der Imhäuser-Preis, der mit 4000,-DM dotiert ist, soll nunmehr jährlich für eine wissenschaftliche Arbeit auf dem Gebiet der Fußchirurgie einschließlich konservativ-technischer Fußorthopädie verliehen werden.

 

Die Imhäuser-Preiskommission erwählte unter den überraschenderweise zahlreichen qualifizierten Einsendungen Herrn Dr.med.Manfred Appel aus Bad Wiessee zum ersten Imhäuser-Preisträger. Die Preisverleihung erfolgte auf dem 4. D.A.F.-Jahreskongreß in Stuttgart am 13. März 1998 durch den Präsidenten, Herrn Prof.H.Küster.

 

Herr Dr.med. Manfred Appel, geboren in Tegernsee, erhielt nach dem Studium der Humanmedizin in München und Ulm 1984 die Approbation, war 2 Jahre wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Prof.Frick am Anatomischen Institut in München und erfuhr seine orthopädische Ausbildung bei Prof.Hipp in München und Prof.Puhl in Ulm. Die Anerkennung als Orthopäde folgte 1992. Als Zusatzbezeichnungen führt er Sportmedizin, Chirotherapie und Physikalische Medizin. Seine Hobbys sind Skifahren, Windsurfen (Deutscher Jugendmeister 1974) und Segeln (Deutscher Meister und Europameister 1978).

 

Den Imhäuser-Preis erhielt Herr Dr.Appel für seine Arbeit "Die Bedeutung der Sesambeine für die Beurteilung des Hallux valgus - eine neue Klassifikation". Seine Fragestellung war, ob die sogenannte "Lateralisation" der Sesambeine oder Lageveränderung des ersten Mittelfußköpfchens für die Beurteilung des Hallux valgus herangezogen werden kann. An anatomischen Fußpräparaten mit Röntgenaufnahmen und Computertomographien stellte er eine neue Klassifikation mit 7 Kombinationstypen der Lateralisationsgrade anhand der Lageveränderung des ersten Mittelfußköpfchens gegenüber der Sesambeinplatte auf. Die neue Klassifikation des Hallux valgus im Röntgen- und CT-Bild ermöglicht sowohl eine ideale präoperative Planung als auch den postoperativen Vergleich des Ergebnisses, da die Pathomechanik des Hallux valgus die Dissoziation von Mittelfußköpfchen und Sesambeinkomplex voll berücksichtigt. Die Arbeit ist zur Publikation im "Journal of Foot and Ankle Surgery", dem Organ der EFAS, eingereicht worden. Alle D.A.F.-Mitglieder erhalten diese Zeitschrift kostenlos über ihre Mitgliedschaft in der D.A.F.

 

H.Küster, Gütersloh

 

Zusammenfassung der ausgezeichneten Arbeit

 

Als Pathogenese des Hallux valgus wird immer wieder die Luxation des 1. Mittelfußköpfchens aus dem Sesambeinkomplex diskutiert. Diese Dissoziation von Sesambeinen und Mittelfußköpfchen soll im Röntgenbild für das Erscheinen des lateralen Sesambeins im 1. Intermetatarsalraum, der "Lateralisation" des Sesambeins, verantwortlich sein. Ziel dieser Arbeit war, zu prüfen, ob es beim Hallux valgus tatsächlich zu einer Dissoziation von Sesambeinen und Mittelfußköpfchen kommt und ob die Lageveränderung der Sesambeine zum Mittelfußköpfchen, die "Lateralisation", für die Beurteilung eines Hallux valgus herangezogen werden kann. Hierzu wurden 50 formaldehydfixierte Fußpräparate in der Anatomischen Anstalt der LMU München unter besonderer Berücksichtigung des Großzehengrundgelenkes mit konventioneller Röntgentechnik, Computertomographie und anatomischer Präparation untersucht.

 

Im Röntgenbild erfolgte eine Einteilung der "Lateralisation" der Sesambeine zum Mittelfußköpfchen in jeweils 4 Grade. Dabei diente für das laterale Sesambein die laterale Begrenzung, für das mediale Sesambein die Mittelachse des Mittelfußköpfchens als Bezugslinie. Dabei bedeutete: Grad 0: keine Überlappung zwischen dem Sesambein und der Bezugslinie Grad 1: Überlappung von weniger als 50% der Sesambeinfläche Grad 2: Überlappung von mehr als 50% der Sesambeinfläche Grad 3: keine Überlappung mehr; das Sesambein befindet sich jenseits der Bezugslinie Aufgrund der möglichen Kombinationen gleicher und unterschiedlicher "Lateralisationsgrade" der Sesambeine zum Mittelfußköpfchen ergab sich eine Klassifikation mit 7 Kombinationstypen der "Lateralisationsgrade": 0/0, 1/0, 1/1, 2/2, 2/3 und 3/3. Die Kombination 0/0 kam in 10%, 1/0 in 20%, 1/1 in 18%, 2/1 in 24%, 2/2 in 16%, 2/3 in 8% und 3/3 in 4% vor. Durch den Vergleich von Röntgenbild und CT-Bild mit Rekonstruktion und Analyse des Strahlengangs wurde deutlich, daß die "Lateralisation" durch einfache Überlappung, durch luxationsbedingte Überlappung, durch Projektionseffekt sowie durch Kombination dieser einzelnen Faktoren bedingt sein kann.

 

Die "Lateralisationsgrade" der Sesambeine im Röntgenbild lassen also Rückschlüsse auf das Verhalten der Sesambeine in ihren Gleitlagern zu. Bei den Kombinationen 0/0, 1/0, 1/1 ist eine Luxation auszuschließen, bei den Kombinationen 2/1 und 2/2 ist sie möglich und bei den Kombinationen 2/3 und 3/3 sicher. Durch die gleichzeitige Berücksichtigung der "Lateralisationsgrade" beider Sesambeine zum Mittelfußknochen wurde eine Klassifikation geschaffen, die den Hallux valgus in verschiedene Schweregrade einteilt. Vom Typ 0/0 (Normalbefund) bis zum Typ 3/3 nimmt der Schweregrad kontinuierlich zu. Bei den Kombinationen 2/3 und 3/3 der "Lateralisationsgrade" liegt ein ausgeprägter Hallux valgus vor, da stets eine Luxation der Sesambeine vorliegt. Diese Kombinationen gehen immer mit einem Hallux-Winkel von weit über 24° einher. Bei den Kombinationen 2/1 und 2/2 ist von einem mittelgradigen Hallux valgus auszugehen, da hier bereits eine Luxation der Sesambeine möglich ist, vorausgesetzt es liegt ein größerer Hallux-Winkel (> 19°) vor. Bei den Kombinationen 1/0 und 1/1 kann von einem beginnenden Hallux valgus gesprochen werden, wenn ein großer Hallux-Winkel (> 19°) vorliegt. Es handelt sich in diesen Fällen der Kombinationen 1/0 und 1/1 deshalb um einen beginnenden Hallux valgus, weil eine Luxation der Sesambeine noch sicher ausgeschlossen werden kann. Wird nur eines der beiden Sesambeine für eine Klassifikation betrachtet, egal ob mediales oder laterales, ist eine sichere Beurteilung bezüglich der Luxation nicht möglich.

 

Nur die gleichzeitige Betrachtung beider Sesambeine ermöglicht diesbezüglich eine sichere Aussage. Aus pathomechanischen Gründen sollte die Operation eines Hallux valgus unbedingt die Korrektur des Sesambeinkomplexes beinhalten. Hierunter ist die Reduktion der "Lateralisationsgrade" auf 0/0, 1/0 oder 1/1 zu verstehen. Bei den subkapitalen Osteotomien kann dies durch Derotation und Lateralverschiebung des Mittelfußköpfchens sowie durch mediale Kapselraffung, bei der Operation nach Mc Bride durch mediale Kapselraffung und Ablösung des M.adductor hallucis vom lateralen Sesambein erreicht werden. Selbstverständlich benötigt ein Hallux valgus vom Typ 3/3 einen höheren operativen Aufwand für die Korrektur als ein Hallux valgus vom Typ 2/1, da es sich bei dem Typ 3/3 im Gegensatz zu 2/1 um das Vollbild eines Hallux valgus handelt.

 

Die neue Klassifikation des Hallux valgus im Röntgenbild ermöglicht sowohl die ideale operative Planung als auch den postoperativen Vergleich des Ergebnisses, da sie die Pathomechanik des Hallux valgus und die Dissoziation von Mittelfußköpfchen und Sesambeinkomplex voll berücksichtigt. Die Ergebnisse sind statistisch gesichert (Mann-Whitney-Test, McNemar-Test, Kruskal-Wallis-Tst, Varianzanalyse). M.Appel, Bad Wiessee Auszeichnung des Orthopädie-Technikers Herrn Kurt Reinhardt aus Kirchheim/Teck durch die Imhäuser-Preiskommission BILD Unter den vielen eingesandten wissenschaftlichen Arbeiten für den Imhäuser-Preis 1998 fand sich auch eine Bewerbung des Orthopädie-Technikers Herrn Kurt Reinhardt, der vielen von uns sicherlich durch Diskussion und Streitgespräche auf orthopädischen Kongressen und Tagungen bekannt ist.

 

Seine Bewerbungsunterlagen entsprachen eher der Darstellung seiner großen Lebenserfahrung als Orthopädie-Techniker, der, 1916 geboren, sich über 30 Jahre lang in eigener orthopädischer Werkstatt mit der idealen Herstellung gut passender Einlagen beschäftigt hat. Mit seiner Meß- und Anprobeeinlage kann nach seinen Erfahrungen und Ergebnissen eine optimale Form gefunden und die passende Einlage hergestellt werden. Anfang der 80-er Jahre hatte Herr Reinhardt Kontakt und Schriftwechsel mit Herrn Prof.Imhäuser über seine ideale Einlagenherstellung und -versorgung. Dieser motivierte ihn auch zu weiteren Anstrengungen. Herr Reinhardt bezeichnete sich immer als "Rufer in der Wüste" und stellte provokante Fragen, wie: "Können Einlagen für Kinder schädlich sein ?" (Vortrag 3. D.A.F.-Jahreskongreß in Gütersloh).

 

Für seine engagierte Art, sich mit seiner Lebenserfahrung als Orthopädie-Techniker mit jedem fußchirurgischen Akademiker auseinander zu setzen und mit seinem Engagement als Orthopädie-Handwerker Bindeglied zwischen Handwerk und orthopädisch-chirurgischer Fachgesellschaft zu sein, zeichnete die Imhäuser-Preiskommission Herrn Kurt Reinhardt mit einer Urkunde aus. Die feierliche Belobigung und Übergabe der Auszeichnung erfolgte anläßlich des 4. D.A.F.-Jahreskongresses durch den Präsidenten, Herrn Prof.H.Küster.

 

H.Küster, Gütersloh

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