Archiv 1998 |
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Ausgabe 1 - Juli --- Fortbildung --- |
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Unter der Rubrik "Fortbildung" werden regelmäßig Artikel mit fußchirurgischen Themen erscheinen. Alle Mitglieder der D.A.F sind daher zur aktiven Mitarbeit aufgefordert. Themenvorschläge oder Manuskripte können jederzeit eingereicht werden.
Jumpcontrol - Prophylaxeschuh - Entwicklung
W.Alt (1), H.Lohrer (2), A.Gollhofer (1) (1)- Universität Stuttgart, Institut für Sportwissenschaft, (2)- Sportmedizinisches Institut Frankfurt/Main
Einleitung
Der Prophylaxe von Sprunggelenksverletzungen als Gegenstand sportmedizinisch und biomechanisch orientierter Forschung kommt angesichts der zunehmenden Belastungen im Hochleistungssport eine wachsende Bedeutung zu. Der Mechanismus der lateralen Kapselbandruptur ist dadurch gekennzeichnet, daß mit hoher Geschwindigkeit unphysiologische Gelenkpositionen erreicht werden und die physiologischen Strukturen über ihre Belastungstoleranz hinaus beansprucht werden: Es kommt zum Defizit der gelenstabilisierenden Kräfte. Trainingskonzepte zur Verbesserung der neuromuskulären Situation am Sprunggelenk (Propriozeption) stärken die aktiven Stabilisierungskomponenten. Die passive Gelenkstabilisierung erfolgt intern: durch den Kapselbandapparat, die axiale Belastung und den knöchernen Formschluß. Diese Komponenten können durch externe mechanische Konzepte (Tape, Orthesen, Stabilschuhe) unterstützt werden. Bei Prophylaxe-Sportschuhen stellt sich vor allem das Problem der Optimierung zwischen Bewegungslimitierung (Rigidität) und Bewegungsfreigabe (Flexibilität). Ziel der vorliegenden Untersuchung war es, einen speziellen Basketball-Prophylaxeschuh im Hinblick auf das genannte Optimierungsproblem zu testen.
Material und Methode
An der Studie nahmen 11 Basketballer der 2.Bundesliga teil. Die Stabilisierungsfunktion des "Jump-control" wurde mittels simuliertem Umknicktrauma getestet. Durch einen Klappmechanismus konnten kombinierte invertorische (30°) und plantarflektorische (15°) Bewegungen freigegeben werden. Geschwindigkeit und Ausmaß der Bewegung wurden mit Biaxialelektrogoniometern gemessen. Die Reflexaktivität der Muskulatur wurde mittels Oberflächenelektroden auf dem M.peronaeus longus gemessen. Zur Überprüfung der Funktionalität wurden Drop jumps aus einer Höhe von 38 cm ausgeführt. Es wurden die Bodenkontaktzeit und die Flughöhe ermittelt. Mittels dreidimensionaler Kraftmeßplattform (Kistler () wurden die Bodenreaktionskräfte beim Gehen (5 km/h) bestimmt. Zum Abschluß erfolgte ein spezieller, im Basketball üblicher Sprungkrafttest: ein beidbeiniger Absprung mit Maximierung der Sprunghöhe und Bestimmung der Bodenkontaktzeit ("Dunking"). Nach 6 Monaten erfolgte mit einer verbesserten Variante des Spezialschuhs ("Jumpcontrol" II, Orthotech, München) eine weitere Untersuchung auf dem Umknicksimulator.
Ergebnisse
Die Variante I des getesteten Sportschuhs zeigte keine Reduktion der Geschwindigkeit und des Ausmaßes auf dem Umknicksimulator. Variante II des "Jump-control" reduzierte die maximale Inversion auf dem Umknicksimulator um durchschnittlich 35% in Bezug zum Ausgangswert mit Normschuh. Die Reduktion der plantarflektorischen Bewegung betrug für den "Jumpcontrol" I 10%, für den "Jumpcontrol" II 15%. Die durchschnittliche Reduktion des integrierten und aufsummierten EMG des M.peronaeus betrug für den "Jump-control" I 10%, für den "Jump-control" II durchschnittlich 18%. Variante I zeigte im Vergleich zum Normschuh keine Veränderung der Parameter der Ganganalyse. Bodenkontaktzeit und Sprunghöhe wurden weder beim Dropjump-Test noch beim Dunking-Sprungtest beeinflußt.
Diskussion
Daß der "Jump-control" I bei einer Umknicksimulation von 30° Inversion in Kombination mit 15° Plantarflektion die gleichen Ergebnisse liefert wie ein paßgerechter Universalsportschuh ist möglicherweise auf zwei konstruktionsbedingte Ursachen zurückzuführen.
Eine sehr starre und rigide Fersenschale endet genau in Höhe des unteren Sprunggelenkspaltes (Nachweis über Röntgenkontrolle). Sie könnte während der Umknicksimulation für die verstärkte Inversionsbewegung des Kalkaneus verantwortlich sein.
Die lateral stabilisierenden Elemente (Tiefziehriemen) in etwa einem Winkel von 45° von dorsal nach ventral und befinden sich damit annähernd in Übereinstimmung mit der Projektion der unteren Sprunggelenkachse auf die Sagittalebene. Sie können damit nur sehr wenig zur Inversionskontrolle beitragen. Beide konstruktive Eigenschaften wurden in Variante II des "Jump-control" verbessert. Die durchschnittliche Inversionskontrolle von 35% im Vergleich zum Universalsportschuh ordnet dem "Jump-control" II primär einem präventiven Einsatzbereich zu. Aussagen zur Flexibilität und Sporttauglichkeit können zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht getroffen werden (kommerzielle Verfügbarkeit). Für die Zukunft wäre zu fordern, daß möglichst viele der am Markt befindlichen Stabilisierungshilfen einer komplexen funktionellen, biomechanischen Untersuchung zugeführt werden, um im konkreten präventiven Anwendungsfall mit Bezug auf das individuelle Verletzungsrisiko des Sportlers gezielte Beratung und Optimierung der Sprunggelenkprophylaxe zu gewährleisten. |
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