D.A.F. Online - Deutsche Assoziation für Fuß und Sprunggelenk D.A.F. Online - Deutsche Assoziation für Fuß und Sprunggelenk
English Version

Archiv 1999

>> zur Archivübersicht>> zum Archiv 1999

Ausgabe 1 - Februar --- Editorial ---

 

 

 

D.A.F.-Anatomie- und Operationskurs in Greifswald

 

Der erstmalig in den neuen Bundesländern ausgerichtete Anatomie- und Präparationskurs I der D.A.F. beschäftigte sich mit der anatomischen Präparation von Leitungsbahnen, Techniken der Lokalanästhesie, Nervenengpaßsyndromen sowie schmerztherapeutischen Gesichtspunkten am Fuß. Die Voraussetzungen dafür wurden durch die hervorragende enge Zusammenarbeit mit dem Anatomischen Institut der Ernst-Moritz-Arndt-Universität unter Leitung von Herrn Prof. Dr. Fanghänel möglich.

 

Herr Prof. Dr. Fanghänel gab eine theoretische Einführung in die Anatomie der oberflächlichen Leitungsbahnen des Fußes. Anschließend demonstrierte nach einer theoretischen Einführung Herr Dr. Sommer Lokal- und Leitungsanästhesien inklusive des "Fußblockes" am nichtfixierten Präparat.

 

Bereits zum jetzigen Zeitpunkt erwies sich die gewählte Teilnehmerzahl von 25 als Vorteil, da zu jeder Zeit eine Diskussion möglich war. Noch im letzten Kursabschnitt des ersten Tages wurde in Zweiergruppen mit der anatomischen Präparation der fixierten Füße begonnen.

 

Nach einem gemeinsamen Abendessen in einem maritimen Restaurant klang der erste Kurstag in einer von allen Teilnehmern als sehr angenehm befundenen Atmosphäre aus.

 

Der zweite Kurstag begann mit einem Übersichtsreferat zur Anatomie der Logen und tiefen Leitungsbahnen durch Herrn Dr. Paul. Im Anschluß daran wurde durch Herrn Dr. Follak die gesamte Problematik der Nervenengpaßsyndrome des Fußes dargestellt. Die darauf folgende ausführliche Diskussion untermauerte das große Interesse an dieser Thematik und ließ insbesondere die Probleme bei der Diagnostik dieser seltenen Erkrankungen deutlich werden.

 

Die sich anschließenden anatomischen Präparationen wurden kurz durch interessante schmerztherapeutische Aspekte am Fuß in Form eines Referates von Herrn Dr. Baumann unterbrochen.

 

Herr Prof. Dr. Küster, Präsident der D.A.F., beendete den D.A.F.-Kurs I und hob hierbei zusammenfassend die positive Resonanz der Teilnehmer hervor, die sich im wesentlichen auf die freundliche Aufnahme und engagierte Betreuung aller Kursteilnehmer durch Herrn Prof. Dr. Fanghänel und seine Mitarbeiter sowie die angenehme Atmosphäre im Institut für Anatomie bezog.

 

G.Mayer und N.Follak, Greifswald

 

Bericht über das Pisani-Reisestipendium 1998

 

Aus allen Teilen Deutschlands zusammengewürfelt, trafen sich die fünf Stipendiaten erstmalig am 08.11.98 in Turin. Wir begannen unseren einwöchigen Studienaufenthalt mit einem gemütlichen, gemeinsamen Abend. Noch wußten wir nicht, was sich hinter dem Krankenhaus <<Casa di cura >> verbarg.

 

Am nächsten Morgen wurden wir von Prof. Pisani's Sekretärin und guter Seele, Milena, empfangen. Der Tag begann gemütlich; vormittags wurden uns dann von Prof. Pisani und seinem Bruder Dr. Pisani zum einen ambulant betreute Patienten vorgestellt, anschließend dann die am Montag Nachmittag zu operierenden Patienten. Nach einem opulenten Mittagstisch assistierten wir dann abwechselnd in zwei Sälen bei verschiedenen Vorfußoperationen, Nervenengpaßsyndromen und einer ausgedehnten subtalare Arthrodese. Als dann um 22.00 Uhr die letzte Op. beendet war, wurden die Patienten noch auf den Station visitiert. Hierbei verblüffte uns Prof. Pisani, der trotz seines Alters noch frischer als wir Stipendiaten wirkte. Mit einem gemeinsamen piemonteser Abendessen beendeten wir den anstrengenden ersten Tag.

 

Die folgenden Tage waren prall gefüllt mit einer Mischung aus Theorie und praktischem Anschauungsunterricht. Täglich hörten wir 2-3stündige Vorträge von Dr. Pisani und Prof. Pisani über Embryologie, Ontomorphogenesis, Biomechanik und die kinetische Kette des Fußes. Am Ende der Woche vermittelte uns Prof. Pisani dann seine Behandlungsstrategien für ausgewählte Fußprobleme vom Klumpfuß bis zum Pes plano valgus.

 

Donnerstags stand dann erneut ein mit Operationen prall angefüllter Nachmittag vor uns. Erneut konnten wir fünf Stipendiaten uns in den Assistenzen abwechseln und sahen ein breites Spektrum der Fußchirurgie mit Arthrorisen, Vorfußoperationen sowie einer Dekompression des N. plantaris. Anschließend wurden wir von dem dann eingetroffenen Prof. Küster zu einem abendfüllenden "Cena" in einem typischen Lokal eingeladen. In lockerer Runde wurden hier die letzten Sprachbarrieren überwunden.

 

Auch am letzten Tag unserer "Lernwoche" begannen wir mit der gemeinsamen Fühvisite im Casa di Cura. Der Tag war dann angefüllt mit Kontrolluntersuchungen bereits operierter Patienten sowie Neuvorstellungen aus sämtlichen Regionen Italiens. Trotzdem fand Prof. Pisani Zeit, uns in angeregten Diskussionen einen Teil seiner Operationseingriffe zu verraten.

 

Letztlich hat uns alle fünf die brillante Präparationstechnik beider Brüder Pisani sehr beeindruckt. Sämtliche Patienten, egal ob Kinder mit operierten Klumpfüßen oder Erwachsene mit komplexen Vorfußoperationen oder Arthrodesen wurden spätestens am 2. Tag postop. in die weitere ambulante Behandlung entlassen. Erst nach 3-6 Wochen wurden diese Patienten wieder bei Prof. Pisani zur Kontrolle vorstellig; zwischenzeitlich wurden sie dann von ihrem zuweisenden Arzt weiterbehandelt. Dies war insbesondere beeindruckend, da ein Großteil der Patienten mit dem Flugzeug oder Zug aus Süditalien angereist war.

 

Begeistert waren wir auch von dem täglichen "Fußtheorie" -Unterricht, der uns sowohl mit der Entwicklungsgeschichte des Fußes als auch mit der zentralen Rolle der Coxa pedis vertraut machte. Für diesen Unterricht hat Prof. Pisani zwischenzeitlich einen schier unerschöpflichen Fundus in seiner ca. 15000 Diapositive umfassenden Sammlung angelegt. Jedoch nicht nur durch Prof. Pisani's Unterricht, sondern auch durch regen gegenseitigen Gedankenaustausch konnten wir unser fußchirurgisches Wissen erweitern.

 

Insgesamt war dies eine einmalige Gelegenheit aus erster Hand, die Fußchirurgie von der Basis bis in die Spezialgebiete hinein zu sehen. Die kurzweilige und lernintensive Woche wurde durch einen letzten gemeinsamen Espresso abgerundet; letztlich war trotz arbeitsreicher Tage die italienische Lebenskultur stets zu spüren.

 

Wir wünschen allen Kollegen, die im nächsten Jahr im Rahmen dieses Stipendiums die Brüder Pisani kennenlernen, eine ebenso interessante und lernintensive Zeit. Wir waren uns einig, daß diese Art von fußchirurgischen Stipendien nicht nur eine Möglichkeit zum nationalen sondern auch zum internationalen Gedankenaustausch gibt und man dieses Miteinander weiter ausbauen sollte.

 

M. Thomas, Augsburg

>> zum Seitenanfang

>> zur Archivübersicht>> zum Archiv 1999