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Archiv 1997

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Ausgabe 2 - Februar --- Nachruf ---

 

 

 

NACHRUF AUF PROF. DR. MED. G. IMHÄUSER

 

Am 17.September 1996 verstarb unser Ehrenmitglied, Prof. Dr. med. G. Imhäuser, emeritierter Ordinarius an der Universität Köln. Geboren am 18.08.1912 war seine Wesensart, geradlinig, beharrlich und treu, von seinem sauerländischen Geburtsort Olpe geprägt.

 

Bei Carl Mau in Hamburg begann G.Imhäuser am 01.05.1937 seine orthopädische Ausbildung, die ihn über Franz Schede in Leipzig (1939-1946) mit der Habilitation über die "Protrusio acetabuli" und Friedrich Pauwels (1947) in Aachen wieder zurück nach Hamburg führte, wo er gemeinsam mit O.Hepp (1947/1948) die Klinik als Vertreter seines erkrankten Chefs führte.

 

1948 baute er als Chefarzt die große Orthopädische Klinik Wursterheide (jetzt: Langen-Debstedt) auf und leitete sie, bis er 1952 als Nachfolger von Max Brandes zum Chefarzt der Orthopädischen Klinik der Städtischen Krankenanstalten Dortmund ernannt wurde. Im gleichen Jahr erhielt er seine apl.Professur durch die Universität Hamburg.

 

1966 wurde G.Imhäuser als Nachfolger des eng mit ihm befreundeten M.Hackenbroch an die Orthopädische Universitätsklinik Köln berufen, nachdem er zuvor Berufungsangebote der Universitäten Gießen, Berlin, Kiel und Hamburg abgelehnt hatte. Seine wiederholte Äußerung, daß die durch zunehmenden politischen Druck bedingten Belastungen eines deutschen Hochschullehrers der wissenschaftlichen Arbeit nicht förderlich seien, veranlaßten ihn, sich 1978 zeitgerecht im Alter von 65 Jahren emeritieren zu lassen.

 

Geprägt von konsequent logischem biomechanischen Denken, auf dessen Grundlage er unter anderem die dreidimensionale intertrochantere Aufrichtungsosteotomie bei der Epiphyseolysis capitis femoris und die transzystale unterstellende Verschiebeosteotomie bei großen juvenilen Knochenzysten wie auch die Fixierung der Perthes-Hüfte in Entlastungsstellung entwickelte, galt G.Imhäusers Interesse insbesondere der Form-Funktionsbeziehung.

 

Dies findet nicht zuletzt in seinen ungezählten Publikationen und Vorträgen über die Fehlhaltungen und Deformitäten des Fußes seinen Niederschlag. Bereits 1957 stellt G. Imhäuser klar, daß der Säuglingshackenfuß als Fehlhaltung aufzufassen sei und daß der kindliche Knickfuß als physiologisches Durchgangsstadium nicht behandlungsbedürftig sei. Mit der ihm eigenen Akribie untermauerte er an Leichenpräparaten seine klinische Erkenntnis über die wechselseitige gesetzmäßige Abhängigkeit zwischen der Position des Vor- und Rückfußes und erklärte das kugelförmige Knöchelgelenk bei Rückfußsynostosen folgerichtig als "morpholo-gische Antwort auf die gestörte Funktion".

 

Seiner westfälischen Geduld und Beharrlichkeit ist es zuzuschreiben, daß er seine jahrzehntelangen Erfahrungen mit der von ihm Schritt für Schritt entwickelten konservativ-operativen Behandlungsstrategie beim Klumpfuß erst 1984 in seiner Monographie darlegte, nachdem die von ihm im Säuglingsalter behandelten Patienten das Wachstumsalter abgeschlossen und er somit Spätergebnisse präsentieren konnte.

 

G.Imhäuser hat seine grundlegenden wissenschaftlichen Erkenntnisse, die er in mehr als 300 Publikationen mitgeteilt hat, stets mit Überzeugung vertreten. Er begeisterte in seinen Vorträgen oft durch Pointiertheit und humorige Rhetorik und stets blitze seine messerscharfe logische Denkweise auf. Der passionierte Jäger hatte auch im Rahmen der wissenschaftlichen Forschung sein Ziel fest im Visier.

 

Als Vorsitzender der Nordwestdeutschen Orthopädenvereinigung 1953, als Präsident der damaligen DOG 1967 in Köln und als langjähriges Vorstandsmitglied der Gesellschaft (zunächst als 2. Schriftführer, dann als Schatzmeister) hat G. Imhäuser sich um die deutsche Orthopädie in hervorragender Weise verdient gemacht. Dies gilt in gleicher Weise für seine Arbeit als Vorsitzender des Beirates für Orthopädietechnik beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales, wo sein Urteil maßgebendes Gewicht hatte, weil er die Konstruktionsprinzipien und Wirkungsweisen orthopädischer Hilfsmittel aufgrund seines logischen Denkens sachkundig zu beurteilen vermochte.

 

Die Verleihung der Erich-Lexer-Preises 1980 und des großen Bundesverdienstkreuzes 1986 als auch die Ehrenmitgliedschaften in den deutschen, österreichischen, ungarischen, französischen und japanischen Orthopädischen Gesellschaften sowie zuletzt in der Deutschen Gesellschaft für Orthopädische Fußchirurgie galten einem bedeutenden Forscher und Lehrer sowie einer hervorragenden Arztpersönlichkeit.

 

Wir verlieren mit ihm einen außergewöhnlichen originellen Menschen und wissenschaftlichen Forscher auf dem Gebiet der Fußdeformitäten, ich selbst einen einmaligen Lehrer und väterlichen Freund.

 

J.Steinhäuser, Guben

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